Deckungsbeitrag – wichtige Kennzahl im Controlling

Deckungsbeitrag und Teilkostenrechnung sind wesentliche Grundlagen für Controlling und Management-Entscheidungen im Mittelstand

Deckungsbeitrag

Deckungsbeitrag und Gewinnschwelle

Der Deckungsbeitrag als Ergebnis der Teilkostenrechnung bietet mittelständischen Unternehmen zahlreiche Informations- und Steuerungsmöglichkeiten.

Gewinn-Ermittlung: BWA und Vollkostenrechnung

Trotzdem beschränken viele Unternehmen ihr Controlling auf die monatliche BWA, die auf Basis der Buchführung von Steuerberater oder Buchhalter erstellt wird.

Diese Auswertung in der Form der jährlichen Gewinn- und Verlustrechnung ermöglicht einen guten Überblick über die Ertragssituation, bietet aber nur eingeschränkte Möglichkeiten der Analyse..

Vollkostenrechnung ermöglicht falsche Schlussfolgerungen

Bei Änderungen der Absatzmengen führt die Vollkostenrechnung evt. zu falschen Schlussfolgerungen und begünstigt unternehmerische Fehlentscheidungen.

Durch die Verteilung der Gesamtkosten auf die Absatzmenge (= Stückkosten) wird angenommen, dass sich das Ergebnis im Verhältnis zur Änderung der Menge verhält.

Beispiel: Umsatz 150,– Euro/St. und Kosten 100,– Euro/St.
Verkauf 100 St. = Umsatz 15.000 € – Kosten 10.000 € = Gewinn 5.000 €
Verkauf   10 St. = Umsatz   1.500 € – Kosten   1.000 € = Gewinn    500 €

In diesem Beispiel würde durch die gesunkene Absatzmenge der Gewinn bzw. der Verlust im gleichen Verhältnis verändert. Im Extremfall würde also ohne Verkauf ein Ergebnis von 0 erzielt.

Nicht berücksichtigt würde dabei jedoch, dass Fixkosten trotz fehlendem Umsatz unverändert anfallen.

Teilkostenrechnung differenziert Mengenabhängigkeit

Die Teilkostenrechnung dagegen unterscheidet die Kosten in Abhängigkeit zu Mengenänderungen.

Zur Berücksichtigung von Teilkosten sind die Gesamtkosten der Vollkostenrechnung in variable und fixe Positionen zu unterscheiden und in der Buchführung entsprechend zu kontieren und auszuweisen.

  1. Variable Kosten (Leistungserstellungskosten)
    werden unmittelbar durch die Produktion oder den Absatz verursacht und sind häufig ein fester Prozentsatz vom Umsatz.
    Die variablen Kosten steigen und sinken proportional zum Umsatz.
    Beispiele sind Material- und Warenkosten, beschäftigungsabhängige Personalkosten oder bezogene Dienstleistungen.
  2. Fixkosten (Bereitstellungskosten)
    entstehen durch das Unternehmen selbst oder die Bereitstellung der Kapazität und fallen unabhängig von Produktion und Umsatz an.
    Beispiele hierfür sind Gehälter der Verwaltung, Mieten, Versicherungen oder Werbung.
    Sprungfixe Kosten entstehen bei Kapazitätserweiterungen, die zusätzliche Investionen, Personal oder Räumlichkeiten notwendig machen.

Deckungsbeitrag als Steuerungsgröße

Der Vorteil der Teilkostenrechnung ist die Ermittlung des Deckungsbeitrages, der das Produktergebnis darstellt.

Dabei werden von den Produkt-Umsätzen die direkt zurechenbaren Kosten des Produktes abgezogen (direkte / variable Kosten).

Dieses Ergebnis ist vergleichbar dem Rohertrag der Gewinn- und Verlustrechnung gemäß § 276 Abs.1 HGB.

Der Deckungsbeitrag (englisch: direct costing) dient zur Abdeckung der verbleibenden fixen Kosten und stellt damit eine wichtige Controlling-Kennzahl zur Steuerung des Unternehmens dar.

Deckungsbeitrag und Kapazitätsplanung

Bei begrenzten Kapazitäten ermöglicht der Deckungsbeitrag eine ertragsoptimierte Fertigungs-, Sortiments-, Mengen- und Personalplanung.

Durch die vorrangige Auslastung begrenzter Kapazitäten mit Produkten, die einen möglichst hohen Deckungsbeitrag ausweisen, wird das Betriebsergebnis optimiert.

Bei personellen oder maschinellen Engpässen bietet die Deckungsbeitragsrechnung eine fundierte Entscheidungsgrundlage für die Planung von Kapazität und Auslastung.

Deckungsbeitrag und Preisuntergrenzen

Der Deckungsbeitrag stellt gleichzeitig die kurzfristige Preisuntergrenze für die Kalkulation dar.

Jeder positive Deckungsbeitrag (Preis > direkte Kosten) trägt zur Deckung der Fixkosten bei und verbessert die Ertragssituation.

Eine Unterschreitung dieser Preisuntergrenze ist nur in begründeten Ausnahmefällen zulässig, da die Produktion in diesem Fall einen Nettoverlust verursacht (Preis < direkte Kosten).

Vorstellbar ist dieser Fall zum Beispiel beim ersten Auftrag eines bedeutenden Kunden, der damit „eingekauft“ wird.

Deckungsbeitrag und Gewinnschwelle

Mithilfe des Deckungsbeitrag und der bekannten Fixkosten lässt sich rechnerisch die Gewinnschwelle (Break-Even-Point) ermitteln.

Dieser Punkt bezeichnet den Umsatz, bei dem der betriebliche Gewinn genau 0-Euro beträgt. Jeder darüber hinaus gehender Verkauf wird unmittelbar zu Gewinn.

Diese Punkt wird also erreicht, wenn der Deckungsbeitrag exakt den Fixkosten entspricht.

  1. Beispiel:
      Umsatz               10.000 Euro
    – direkte Kosten      2.000 Euro
    = Deckungsbeitrag  8.000 Euro = 80%
    – fixe Kosten           5.000 Euro
    = Gewinn                3.000 Euro
  2. Berechnung: Break-Even = Fixkosten : Deckungsbeitrag in Prozent
  3. Break-Even = 5.000 Euro : 80 Prozent = 6.250 Euro
  4. Probe:
    Umsatz                   6.250 Euro
    – direkte Kosten      1.250 Euro
    = Deckungsbeitrag  5.000 Euro
    – fixe Kosten           5.000 Euro
    = Gewinn                       0 Euro

Anhand der Break-Even-Analyse lässt sich also errechnen, welche Absatzmenge und/oder welcher Verkaufspreis mindestens zur Gewinnerzielung notwendig sind.

Bei Angebotskalkulationen können die Auswirkungen von Mengenrabatten auf den Gewinn ermittelt werden.

Änderungen der Markt- und  Preisverhältnisse und von Kundenbeziehungen können mithilfe der Break-Even-Analyse planerisch berechnet werden.

Deckungsbeitrag in der Planungsrechnung

Die oben erwähnte Vollkostenrechnung unterstützt die so genannte starre Plankostenrechnung.
Hierbei werden die geplanten Gesamtkosten (Vollkosten) auf den geplanten Beschäftigungsgrad bzw. Kapazitätsauslastung verteilt.
Die Stückkosten beinhalten in dieser Planungsrechnung sämtliche betrieblichen Kosten.

Mithilfe der Teilkosten- und Deckungsbeitragsrechnung ist eine flexible Plankostenrechnung möglich.
Diese Planung berücksichtigt auch Beschäftigungsabweichungen, die während der Planungsperiode auftreten.
Durch die Unterscheidung zwischen variablen und fixen Kosten unterscheidet die flexible Plankostenrechnung zwischen

  • Beschäftigungsabweichungen (Leerkosten) und
  • Verbrauchsabweichungen (Effizienz, Ausschuss).

Fazit – Teilkosten und Deckungsbeitragsrechnung

Die Teilkostenrechnung und Ermittlung des Deckungsbeitrages stellt für die Analyse, Planung und Kontrolle der betrieblichen Abläufe sowie die operativen Entscheidungen des Managements alle relevanten Informationen bereit.

Für mittelständische Unternehmen stellt die Teilkostenrechnung eine praktikable Lösung dar, die durch die entsprechende Gliederung der Buchführung bereits grundlegende Aussagen ermöglicht.

TIPP: Fragen Sie Ihren Berater nach entsprechenden Informationen und Auswertungen

Die Vollkostenrechnung wird damit jedoch keineswegs überflüssig.
Auch der Gesamtüberblick und die Ermittlung des Gesamtergebnisses bleiben für das laufende Controlling unverzichtbar.

 

Die Beitragsreiche zu Themen der Bereiche Kostenrechnung, Controlling und Finanzierung wird fortgesetzt.

Uwe Twachtmann

Hamburg-Rahlstedt, im Januar 2016

Ich wünsche allen Besuchern und Lesern ein gesundes und erfolgreiches neues Jahr 2016 und freue mich auf Kontakte und Gespräche.