Umsatzkostenverfahren = Buchführung + Controlling

Umsatzkostenverfahren – verbindet Rechnungswesen und Controlling

Umsatzkostenverfahren

Umsatzkostenverfahren in der GuV

Im Umsatzkostenverfahren (UKV) verschmelzen Buchhaltung und Kostenrechnung / Controlling zu einem System.

Die Gegenüberstellung von Umsatz und Herstellungskosten weist unmittelbar die Brutto-Marge aus und bietet damit deutliche Vorteile gegenüber dem üblichen Gesamtkostenverfahren.

Beide Varianten der Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) sind gemäß § 275 des Handelsgesetzbuches (HGB) zulässig.

Das UKV (cost of sales method) ist international weit verbreitet (IFRS und IAS) und in den USA zwingend vorgeschrieben.

Aus diesem Grund ermitteln international tätige Unternehmen den Gewinn überwiegend mit dem Umsatzkosten-Verfahren.

 

Gliederung der GuV im Umsatzkostenverfahren

Wesentliches Merkmal des Umsatzkostenverfahrens ist die Gliederung der GuV nach Funktionsbereichen (vs. Gesamtkosten-Verfahren = Kostenarten).

Die GuV nach dem UKV gliedert sich gemäß § 275 Abs. 3 HGB in folgende Positionen:

  1. Umsatzerlöse
  2. – Herstellungskosten der zur Erzielung der Umsatzerlöse erbrachten Leistungen (= Umsatzkosten, z.B. Material, Personal, Raumkosten, etc.)
  3. = Bruttoergebnis vom Umsatz / Deckungsbeitrag
  4. – Vertriebskosten
  5. – Allgemeine Verwaltungskosten
  6. + Sonstige betriebliche Erträge
  7. – Sonstige betriebliche Aufwendungen
  8. = Betriebsergebnis (EBIT)
  9. +/- Finanzergebnis
  10. = Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit
  11. +/- Außerordentliches Ergebnis
  12. +/- Steuern
  13. = Jahresüberschuss / Jahresfehlbetrag

 

Voraussetzungen für Umsatzkosten

Die Gewinnermittlung nach dem UKV setzt eine differenzierte Kostenrechnung voraus.

Über Erlösträger werden Umsatzerlöse und direkte Materialkosten den entsprechenden Bereichen, wie zum Beispiel Kunden, Produktgruppen oder Regionen zugeordnet.

  • Die Differenz zeigt betriebswirtschaftlich den Deckungsbeitrag I.

Über Kostenstellen werden die Fix- und Gemeinkosten des Funktionsbereichs Produktion den Umsatzkosten zugewiesen.

  • Das Ergebnis zeigt den Deckungsbeitrag II.

Über weitere Kostenstellen werden die übrigen Fix- und Gemeinkosten den Bereichen Vertrieb und Verwaltung zugerechnet.

Häufig stellen Unternehmen auch die Kosten für Forschung und Entwicklung getrennt dar.

 

 Kostenarten im UKV

Als Herstellungskosten oder Umsatzkosten können wahlweise sowohl variable als auch fixe Produktkosten ausgewiesen werden.

Abschreibungen, Personal- und Materialkosten sowie andere Umsatzkosten werden über Kostenstellen den betrieblichen Funktionen zugeordnet.

Durch die Zuordnung der direkten Herstellungskosten zum relevanten Umsatz entspricht dieses Verfahren der Deckungsbeitragsrechnung.

 

Abgrenzungen im Umsatzkosten-Verfahren

Als Umsatzkosten werden ausschließlich Herstellungskosten angesetzt, die für die Periodenumsätze aufgewendet wurden.

Bestandsveränderungen im Vorratsvermögen sind entsprechend als Herstellkosten oder in den übrigen Aufwendungen zu berücksichtigen.

Für die periodengerechte Zuordnung aller weiteren Kosten sind im Jahresabschluss entsprechende Periodenabgrenzungen zu bilden.

Gemeinkosten können im gesetzlich zulässigen Rahmen prozentual beaufschlagt werden.

 

Ergebnisrechnung und Controlling mit dem UKV

  • Nach Abzug der Herstellungskosten vom Umsatz wird als Zwischengröße das Bruttoergebnis vom Umsatz (Gross Profit) ausgewiesen.
  • Dieses Umsatzergebnis zeigt die produktionswirtschaftliche Ertragskraft des Unternehmens, vergleichbar dem Deckungsbeitrag.
  • Es eignet sich aufgrund der möglichen Differenzierung nach Geschäftsfeldern oder Produkten besonders gut für eine zielorientierte Unternehmensführung.
  • Das Ergebnis der gewöhnlichen Betriebstätigkeit ergibt sich aus dem Abzug der bereichsbezogenen Vertriebs- und Verwaltungskosten sowie der sonstigen betrieblichen Erträge und Aufwendungen.

 

Vorteile des Umsatzkostenverfahrens

Der wesentliche Vorteil des Umsatzkostenverfahrens liegt im direkten Ausweis der Bruttomarge des Unternehmens.

Durch die direkte Gegenüberstellung der Betriebsleistung und den Umsatzkosten lassen sich das periodengerechte Umsatzergebnis und der Deckungsbeitrag unmittelbar in der Gewinn- und Verlustrechnung erkennen.

Der Erfolg einzelner Bereiche wie Produkt- oder Kundengruppen, Verkaufsgebieten oder Absatzwegen lassen sich unmittelbar aus der Gewinn- und Verlustrechnung und dem Abschluss analysieren.

Das Verfahren bietet damit eine Grundlage für gezielte unternehmerische Entscheidungen, erfolgreiche Bereiche stärker auszubauen.

Strategien und Ziele können konkreter definiert und deren Umsetzung genauer verfolgt werden.

 

Nachteile des Umsatzkosten-Verfahrens

Die Nachteile des Umsatzkosten-Verfahrens bestehen in der notwendigen Kostenrechnung und Kostenzuordnung.

Darüber hinaus sind Material- und Personalkosten im Anhang des Jahresabschlusses auszuweisen.

Hinweis: Ein gesonderter Ausweis der Abschreibungen und weiterer großer Kostenpositionen bietet sich ebenfalls an.

 

Mein Tipp: Nehmen Sie sich genügend Zeit für die Einführung des UKV und sprechen Sie Ihren Berater an.

 

Die Beitragsreihe mit Tipps der Bereich Controlling, Führung, Organisation und Finanzierung wird laufend fortgesetzt

Uwe Twachtmann
Hamburg – Rahlstedt im Februar 2017