Arbeitszimmer – Was Sie steuerlich absetzen können

Ein Arbeitszimmer nutzen die meisten Unternehmer und Selbstständigen oft für Arbeiten im eigenen Haus oder ihrer Wohnung. Über die steuerliche Anerkennung der Kosten gibt es jedoch mit dem Finanzamt oftmals Streit.

Arbeitszimmer und Steuern sparen

häusliches Arbeitszimmer – Tipps und Hinweise

Da sich die Rechtsprechung zu diesem Thema in den letzten Jahren mehrfach geändert hat, herrscht oft Unklarheit, ob und in welcher Höhe Kosten überhaupt steuerlich geltend gemacht werden können. Nach einem aktuellen Beschluss des Bundesfinanzhofes (BFH s.u.)

hier die wichtigsten Kriterien und Tipps für die steuerliche Anerkennung.

Ist Ihr Büro ein „steuerliches Arbeitszimmer“?

  • Sie müssen den Raum (nahezu) ausschließlich (> 90 Prozent) für betriebliche Zwecke und die Erzielung der steuerlichen Einnahmen nutzen.
    Eine Aufteilung zwischen betrieblichen und privaten Aufwendungen bei gemischter Nutzung ist nicht möglich.
  • Die Größe des Büros muss der Gesamtgröße der Wohnung angemessen sein und noch ausreichend Platz für die normalen Wohnzwecke der übrigen Bewohner bieten.
  • Die Einrichtung und Ausstattung muss einen betrieblichen Charakter haben.
    Private Einrichtungsgegenstände wie Gästebett oder Fernseher sprechen für eine private Nutzung.
  • Das Arbeitszimmer muss baulich und räumlich vom Wohnbereich klar abgetrennt sein.
    Vorhänge, Jalousien oder Raumteiler reichen für die steuerliche Berücksichtigung als Abtrennung nicht aus.
  • Laut Urteil des Bundesfinanzhofes (BFH) aus 2014 kann auch ein Kellerraum, eine Mansarde oder ein Raum im Anbau als Arbeitszimmer erkannt werden. Sie müssen dafür jedoch dazu die wesentliche Eigenschaften eines Wohnraumes (Belüftung und Belichtung) aufweisen.

Arbeitszimmer als Mittelpunkt der Tätigkeit

Wenn Sie die wesentlichen und prägenden Tätigkeiten Ihres Unternehmens oder die Selbstständigkeit vom häuslichen Arbeitszimmer aus erledigen, ist dieser Raum als qualitativer Mittelpunkt Ihrer Tätigkeit zu beurteilen.

Dieser Fall trifft häufig für Solo-Selbstständige, Freiberufler, Heimarbeiter oder Hausgewerbetreibende zu.

Sie können sämtliche Aufwendungen für den genutzten Raum unbeschränkt steuerlich geltend machen (§ 4 Abs. 5 Satz 1 Nr.6b Satz 1 EStG).

TIPP: Bitte achten Sie darauf, ob die Gewerbeausübung in Ihrem Wohngebiet oder Ihrer Mietwohnung erlaubt ist oder Sie eine Erlaubnis benötigen.

häusliches Arbeitszimmer für Nebentätigkeiten

Wenn Ihr betrieblicher Tätigkeitsschwerpunkt zwar nicht im Arbeitszimmer liegt, Sie aber keinen anderen Arbeitsplatz zur Verfügung haben, können Sie die anfallenden Kosten trotzdem steuerlich ansetzen.

Bis zu 1.250 Euro der nachgewiesenen Kosten des Zimmers erkennt das Finanzamt pro Jahr als Betriebsausgaben an.

Das gilt zum Beispiel für Interims-Manager, Trainer, Musiker oder Arbeitnehmer für eine ausgeübte Nebentätigkeit.

TIPP: Die Höchstsumme gilt objektbezogen und nicht je Person. Bei einer Raumteilung mit Partner oder Mitbewohner wird der Betrag nur 1x anerkannt.

Arbeitszimmer bei vorhandenem Arbeitsplatz

Wenn Ihnen für die betriebliche Tätigkeit ein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht und Sie im häuslichen Büro keine prägenden Tätigkeiten ausüben, erkennt das Finanzamt keine Kosten hierfür an.

Das trifft zum Beispiel für Unternehmer und Selbstständige zu, die über eigene oder angemietete Betriebsräume verfügen.

TIPP: Die Ausstattung  oder Arbeitsmittel für das Arbeitszimmer sind jedoch trotzdem betrieblich veranlasst und bleiben steuerlich absetzbar.

Welche Kosten sind steuerlich abzugsfähig?

Alle unmittelbar zurechenbaren Kosten des Arbeitszimmer sind unbeschränkt (Obergrenze s.o.) abzugsfähig. Dazu gehören zum Beispiel die Ausstattung oder Renovierung des Raumes.

Für die Gesamtwohnfläche allgemein anfallende Kosten müssen anteilig (je m²) auf das Arbeitszimmer verteilt werden. Hierzu zählen Betriebs- und Nebenkosten, Energie, Steuern und Abgaben und Versicherungen.

Bei betrieblich genutztem Eigentum gehören auch anteilige Abschreibungen und Finanzierungszinsen zu den abzugsfähigen Betriebsausgaben.

TIPP: Beim Büro im eigenen Haus fragen Sie bitte Ihren Steuerberater nach der Unterscheidung zwischen Gebäudebestandteil, Mietereinbauten und Betriebsvorrichtungen. Die Abschreibungsdauern und steuerlichen Auswirkungen unterscheiden sich hier erheblich.

Volle Abziehbarkeit von Betriebsstätten

Lager-, Ausstellungs-, Werkstatt- oder Praxisräume werden steuerlich als Betriebsstätte eingestuft. Für sie gelten keine Abzugsbeschränkungen.

Die Regelungen zum Arbeitszimmer sind für diese Räume nicht anwendbar, da sie nach Ausstattung und Funktion nicht einem Büro entsprechen.

Und zum Abschluss …

Planen Sie beim Hauskauf und Finanzierung Ihrer Immobilie geeignete Räume und die passende Finanzierung ein.

Der Große Senat des Bundesfinanzhof (BFH) hat mit Beschluss vom 27. Juli 2015 (AZ GrS 1/14) für Klarheit gesorgt.

 

Die Beitragsreihe zu Themen der Bereiche Controlling, Führung und Organisation, Finanzierung und Businessplan wird fortgesetzt.

Uwe Twachtmann
Hamburg-Rahlstedt, im April 2016