Controlling in Familienunternehmen

Controlling in Familienunternehmen bietet Ihnen den Vergleichsmaßstab zur Messung des eigenen Erfolges und der Position im Markt.

Durch eigene Kennzahlen und Auswertungen kann der Unternehmer Optimierungspotenziele erkennen, aber auch Risiken aufdecken, die sofortiges Handeln erfordern.

Schwierig ist jedoch die Vergleichbarkeit von Betrieben, denn nicht nur die Branchenzugehörigkeit und Größe des Unternehmens, auch der Standort und weitere Faktoren sind entscheidend für die Positionierung gegenüber Wettbewerbern..

Familienunternehmen weisen wesentliche Merkmale auf, die sie von kapitalmarktorientierten Firmen oder Startups deutlich abgrenzen:

  • Eigentümerstruktur
    > 50 Prozent im Familienbesitz,
  • Unternehmensführung
    mindestens ein Familienmitglied in Geschäftsführung oder Aufsichtsgremien,
  • Mehr-Generationen-Ausrichtung
    konkret geplante Nachfolge innerhalb der Familie,
  • Alter des Unternehmens
    mindest sieben Jahre zur Erreichung Marktreife.

Controlling in Familienunternehmen lebt vom Vergleich

Wie der „Benchmark Familienunternehmen“ des Hamburger Institutes für Familienunternehmen mit der Handelskammer Hamburg zeigt, sind in der Freien und Hansestadt Hamburg etwa 46 Prozent der nicht börsennotierten und mittelgroßen Unternehmen (< 20 Mio Euro Bilanzsumme, < 40 Mio Umsatz, < 250 Mitarbeiter)  als Familienunternehmen einzustufen sind (Stand 2011).

Die Untersuchung hat für den Vergleich der insgesamt 677 Hamburger Unternehmen (Metropolregion 1.283 Unternehmen) verschiedene Kennzahlen der Jahresabschlüsse ausgewählt, um die  Vergleichbarkeit herzustellen und wesentliche Kriterien herauszuarbeiten.

Controlling in Familienunternehmen durch bilanzielle Kennzahlen

  • Vermögenslage

Durch Kennzahlen der Kapitalbindung und -Struktur lassen sich die Herkunft und Verwendung des Kapitals und die Kapitalentwicklung in der Bilanz darstellen.

Eine hohe Eigenkapitalquote am Gesamtkapital ist stets Zeichen der Unabhängigkeit des Unternehmens von Banken oder Kapitalgebern.
– Banken erwarten für Finanzierungen häufig eine Eigenkapitalquote > 20 Prozent.

Die Positionen des Anlage- oder Umlaufvermögen sollten im Idealfall stets mit entsprechenden Laufzeiten durch Eigen- bzw. Fremdkapital finanziert sein.
– z.B. Goldene Bilanzregel: Langfristiges Anlagevermögen = Eigenkapital

  • Finanzlage

Die Kennzahlen zur Liquidität kennzeichnen die Zahlungsfähigkeit des Unternehmens und die eigene Finanzkraft.

Ein positiver Cashflow ist Zeichen für die Innenfinanzierungskraft und den erwirtschafteten Finanzmittelüberschuss aus dem operativen Ergebnis.
– z.B. Cashflow = Gewinn + Abschreibungen (da kein Geldabfluss)

Die Liquiditätsgrade I-III zeigen die fristgerechte Zahlungsfähigkeit des Familienunternehmens mit verschiedenen Fristigkeiten.
– z.B. Liquiditat 1.Grades: flüssige Mittel = kurzfristige Verbindlichkeiten

  • Ertragslage

Die Kennzahlen zur Ertragskraft weisen die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens aus.

Renditekennzahlen vergleichen die erzielten Gewinne oder Verluste mit Werten der Gewinn- und Verlustrechnung oder der Bilanz.
– z.B. Umsatzrendite: Gewinn x 100 : Umsatzerlöse

Aufwandsquoten und Deckungsgrade zeigen die prozentualen Anteile bestimmter Kostenpositionen an
– z.B. Personalkostenquote: Personalkosten x 100 : Umsatzerlöse

Controlling in Familienunternehmen – Mehr als Bilanz-Kennzahlen

Die genannten Kennzahlen basieren auf veröffentlichten Jahresabschlüssen und ermöglichen einen ersten Vergleich von zahlreichen Familienunternehmen.

Durch weitere Gliederungen z.B. der Branchen lassen sich zusätzliche Rückschlüsse auf die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens bilden.

Das betriebliche Controlling in Familienunternehmen beschränkt sich jedoch nicht nur auf Abschlusswerte, sondern sollte sämtliche relevanten Bereiche des Unternehmens umfassen.

Neben Produktion, Materialwirtschaft und Personal sind auch Vertrieb und Kundenbeziehungen sowie die internen Abläufe des Unternehmens entscheidend für den wirtschaftlichen Erfolg.

TIPP Das Controlling in Familienunternehmen und die Kennzahlensysteme sollten daher stets individuell für Ihren Betrieb entwickelt und den Anforderungen des Unternehmers angepasst sein.

Durch ein differenziertes Controlling sind Sie nicht nur in der Lage, die Entwicklung Ihres Unternehmens aktiv zu steuern, sondern erleichtern durch die dazu gehörige fundierte Planungsrechnung auch die Kreditaufnahme für Investitionen oder Nachfolgeregelungen.

 

Die Beitragsreihe zum Controlling wird fortgesetzt. In den nächsten Beiträgen stelle ich Ihnen Kennzahlen, Systeme und Vorgehensweisen vor.

Uwe Twachtmann
Hamburg-Rahlstedt im August 2015

Controlling in Familienunternehmen

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