Liquidität sichern – Insolvenz vorbeugen

Liquidität sichern und Finanzmittel planen sind entscheidende Aufgaben im mittelständischen Betrieb.

Tipps mit denen Unternehmer Krisen und Insolvenz vorbeugen können:

Liquidität sichern

Zahlungsfähigkeit und Liquidität sichern

 

Seit der Bankenkrise vergrößert sich das Risiko von Zahlungsengpässen für kleine und mittlere Unternehmen.

Lange Zahlungsfristen, Kreditklemme, fehlende Strategien und rückläufige Geschäfte schlagen sich nach kurzer Zeit auf den Bankkonten nieder.

Wenn Rechnungen und Löhne nicht mehr fristgerecht gezahlt werden, ist die Unternehmenskrise im Betrieb angekommen und die Insolvenz nicht mehr weit.

Die laufende Kontrolle und Planung der Zahlungsmittel sollte daher zur täglichen Routine des Unternehmers gehören. Damit die Krise jedoch erst gar nicht entsteht, bieten sich verschiedene Maßnahmen zur Optimierung an.
Hier meine Tipps für Sie:

Liquidität sichern durch Skonto-Abzug

  • Viele Lieferanten bieten bei frühzeitigem Forderungsausgleich Skonto an.
    Selbst bei Inanspruchnahme des Kontokorrentkontos lohnt sich das.
    Zum Beispiel: 2 Prozent Skonto innerhalb 10 Tagen entsprechen einem Jahreszins von 72 Prozent.

Forderungsabbau durch Mahnläufe

  • Vereinbaren Sie eindeutige Zahlungsbedingungen und kurze Zahlungsziele, bieten Sie Skonto an.
  • Überprüfen Sie bei Großaufträgen die Bonität des Kunden und vereinbaren Sie Vorauszahlungen, mindestens in der Höhe Ihrer Vorleistungen.
  • Richten Sie ein regelmäßiges Mahnwesen ein und erinnern Sie konsequent an überfällige Forderungen.
  • Scheuen Sie nicht, einen Mahnbescheid zu beantragen oder ein Inkassounternehmen oder Anwalt einzuschalten.

Forderungsabtretung bei langen Zahlungszielen

  • Prüfen Sie die Möglichkeit des Factorings.
  • Nach Abtretung bzw. Verkauf Ihrer Kundenforderungen erfolgt kurzfristig die Gutschrift des wesentlichen Rechnungsbetrages.
  • Die Restforderung erhalten Sie vom Factoringpartner nach erfolgter Kundenzahlung (nach Abzug der Gebühren).

Bürgschaften bei Garantiezusagen

  • Sicherheitseinbehalte des Kunden sind z.B. in der Baubranche üblich.
  • Diese Kürzung der Rechnung können Sie durch die Stellung einer Ausfallbürgschaft vermeiden.
  • Die dafür fällige Avalgebühr liegt deutlich unter den Zinssätzen für Überziehungskredite oder den Vorteil aus Skontozahlungen.
  • Ansprechpartner sind Ihre Bank oder spezialisierte Anbieter.

Kapitalbindung reduzieren und Liquidität optimieren

  • Vermeiden Sie unnötig hohe Lagerbestände und verkaufen Sie nicht genutztes Anlagevermögen:
  • Optimieren Sie Ihr Warensortiment und erhöhen Sie die Umschlagshäufigkeit Ihres Lagers.
  • Denn die Finanzierung des so genannten „Working-Capital“ kostet Sie entweder Zinsen oder bindet liquide Mittel.

Kaufen, leasen oder mieten?

  • Prüfen Sie bei der Anschaffung von betriebsnotwendigem Anlagevermögen alternative Möglichkeiten der Finanzierung.
  • Vergleichen Sie Zinssätze und ermitteln Sie die Gesamtkosten über die Vertragslaufzeit oder die Lebensdauer der Anschaffung.
    Mein Tipp: Achten Sie bei Fahrzeugleasing auf den so genannten Gap (Differenz zwischen Rest-Marktwert und Rückkaufswert im Schadenfall).

Fördermittel nutzen

  • Informieren Sie sich vor Investitionen, Entwicklungsprojekten oder Personalaufbau von möglichen Fördermittel.
  • Die EU, der Bund aber auch Bundesländer und Kommunen bieten zahlreiche Maßnahmen zur Wirtschaftsförderung, die Sie wie Eigenkapital nutzen können.
  • Achtung: Meist muss der Antrag vor Maßnahmebeginn gestellt werden.
  • Informationen erhalten Sie über das Portal des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWi) www.foerderdatenbank.de oder bei den Förderlotsen der Investitions- und Förderbank Hamburg (IFB).

Goldene Bilanzregel

  • Achten Sie bei Finanzierungen auf die Fristenkongruenz.
  • Investitionen sollten Sie langfristig und höchstens über die Lebensdauer des angeschafften Wirtschaftsgutes finanzieren.
  • Die Finanzierung von Warenbeständen oder Aufträgen sollten Sie kurzfristig vereinbaren und möglichst aus dem direkten Cashflow des Projektes zurück führen.
    Nutzen Sie hierfür Betriebsmittelkredite.

Kostencontrolling sichert Erträge und Liquidität

  • Behalten Sie Ihre Kosten im Blick und prüfen Sie bei neuen Vorgängen oder Preiserhöhungen Ihre alternativen Möglichkeiten.
  • Verhandeln Sie Einkaufspreise und holen Sie sich regelmäßig mehrere Angebote auch für bestehende Geschäftsverbindungen ein.
  • Prüfen Sie regelmäßig bestehende Verträge auf Notwendigkeit und Kündungsmöglichkeiten.
  • Nutzen Sie die vielfältigen Möglichheiten des Kostencontrolling.

Steuer(voraus)zahlungen optimieren

  • Sprechen Sie mit Ihrem Steuerberater über mögliche Einsparungen.
  • Degressive oder Sonderabschreibungen oder auch Rücklagen sind häufig nur Steuerverschiebungen, deren Vorteil erst mit einer mehrjährigen Steuerplanung ermitteln lässt.
  • Passen Sie Steuervorauszahlungen den aktuellen Jahresergebnissen an.
  • Die Sondervorauszahlung für die Dauerfristverlängerung der Umsatzsteuermeldung nutzt vor allen Dingen dem Steuerbüro.
    Fragen Sie hier nach anderen Möglichkeiten der Arbeitsbeschleunigung.

Liquidität sichern – Planung des Kapitalbedarfs

  • Planen Sie die Entwicklung Ihrer Liquidität und des Kapitalbedarfes anhand der aktuellen Kontobestände, des laufenden Geschäftes und des Auftragsbestandes.
  • So erkennen Sie rechtzeitig mögliche Engpässe und können frühzeitig mit Ihrer Bank eine Lösung besprechen.
  • Insbesondere bei saisonalen Schwankungen oder rückläufigem Geschäft sollten Sie unbedingt auf Ihre Zahlungsfähigkeit achten.

 

Die Beitragsreihe zu den Themenbereichen Controlling, Führung, Organisation und Finanzierung wird laufend fortgesetzt.

Uwe Twachtmann
Hamburg-Rahlstedt, im März 2016