Frühwarnfaktoren bei Unternehmens-Krise

Eine Unternehmens-Krise lässt sich häufig sehr früh erkennen.

Durch ein regelmäßiges Controlling und individuelle Kennzahlen schaffen Sie sich ein Frühwarnsystem und können rechtzeitig die richtigen Gegenmaßnahmen einleiten.

Unternehmens-Krisen entstehen in verschiedenen Phasen, die sich über mehrere Jahre erstrecken können.

Mit der Ausrichtung des Controllings auf branchen- und unternehmensspezifische Frühwarnsignale erkennen Sie die eintretenden Risiken in jeder dieser Phasen früh genug.

Strategische Unternehmens-Krise

In der Regel handelt es sich um langfristige Entscheidungen und externe Faktoren, die Grund für die Unternehmens-Krise sind.

Fehlende Innovationen und Produktentwicklungen, veränderte Kundenwünsche oder stagnierende Märkte führen oftmals zu rückläufigen Umsätzen.

Auch eine fehlende Strategie und die grundsätzliche Ausrichtung von Entscheidungen führen mitunter zu Fehlentwicklungen.

Aber nicht immer sind Entscheidungen des Managements Grund für die Entwicklungen im Unternehmen.

In Zeiten globaler Märkte und schneller Internetverbindungen spielen auch unverschuldete Faktoren eine große Rolle.

Folgende Kennzahlen eignen sich für die Früherkennung der strategischen Unternehmens-Krise:

  • Marktanteil (in Prozent)
  • Auftragseingänge und Auftragsbestand (in Euro)
  • Neukundenquote (in Prozent)
  • A-B-C Kundenanalyse (Prozent und Euro)

Wenn Sie die strategische Krise an Ihren Kennzahlen erkennen, prüfen Sie Ihre Ausrichtung und stellen Sie sich Fragen wie z.B.:

  • Was hat sich in der Branche verändert, was erwartet der Kunde?
  • Gab es technologische Entwicklungen?
  • Sind die entscheidenden Wettbewerber mit Innovationen am Markt?

Wenn die eingeleiteten Maßnahmen gegen die Strategie-Krise nicht greifen, entsteht daraus mittelfristig die nächste Phase der so genannten Früherkennungs-Treppe.

Operative Unternehmens-Krise

Diese mittelfristig entstehende Krise zeichnet sich meist durch Rückgänge der betrieblichen Ergebnisse ab. Bisher erzielte und geplante Gewinne und Renditen werden nicht mehr erreicht.

Oftmals sind sinkende Preise und Umsätze sowie steigenden Kosten die Ursache der Krise. Tariferhöhungen oder schwankende Weltmarktpreise an den Rohstoffmärkten wirken sich auch im Mittelstand aus. Und mangelnde Flexibilität durch hohe Fixkosten oder nicht effiziente Abläufe kosten Zeit und Geld.

Für die Früherkennung der Ergebnis-Krise haben sich u.a. folgende Kennzahlen aus dem Controlling bewährt:

  • Deckungsbeitrag
  • Umsatz- und Kapitalrendite
  • Kostenquoten (Personal / Material)
  • Cashflow / Free Cashflow

Prüfen Sie in dieser Situation den Ist-Zustand Ihres Unternehmens. Finden Sie die Ursachen der Unternehmens-Krise heraus und steuern Sie gegen:

  • Bewerten Sie die wertschöpfenden und adminstrativen Prozesse
  • Prüfen Sie Fixkosten, Personal- und Materialeinsatz
  • Achten Sie auf Effizienz und Wertbeitrag der einzelnen Bereiche

Sollten die ergriffenen Maßnahmen nicht zum Erfolg führen, entsteht daraus die kurzfristige Liquiditätsschwäche.

kurzfristige Liquiditäts-Krise

Durch Ergebnisrückgänge und fehlende Zahlungen gehen die Bankguthaben zurück.

Zahlungsrückstände entstehen. Geschäftspartner liefern nur noch gegen Vorauskasse. Pfändungen der Sozialversicherungsträger, Finanzbehörden und Lieferanten sind möglich.

In dieser Situation ist das Gespräch mit der Bank bereits schwierig.

Für die frühzeitige Erkennung der Liquiditätskrise sollten Sie folgende Kennzahlen bzw. Auswertungen in Ihrem Controlling einführen:

  • Liquidität 1. und 2. Grades
  • Liquiditäts- und Zahlungsplanung (mindestens Wochenplanung)
  • Cashflow Vorausschau aus Unternehmensplanung
  • Working Capital (kurzfristig verfügbare Mittel)

Da bei Zahlungsunfähigkeit die Pflicht zum Insolvenzantrag besteht, sollte die Liquiditätssicherung absoluten Vorrang haben.

Folgende kurzfristige Möglichkeiten stehen Ihnen jetzt zur Verfügung:

  • Verlängern Sie die eingeräumten Kreditlinien
  • Verkaufen Sie Forderungen sowie nicht betriebsnotwendiges Vermögen
  • Bauen Sie Lagerbestände ab
  • Vereinbaren Sie Stundungen mit Lieferanten und Behörden
  • Kündigen Sie Verträge und prüfen Sie sämtliche Kostenpositionen
  • Suchen Sie mögliche Kapitalgeber

Krisen-Management – Was können Sie tun?

  • Gehen Sie bei der Analyse der Unternehmens-Krise objektiv, sachlich und selbstkritisch vor.
  • Prüfen Sie alle vorliegenden Informationen, Daten und Zahlen.
  • Nehmen Sie auch externe Hilfe in Anspruch, achten Sie dabei auf ausreichende Erfahrungen Ihres Mittelstandsberaters.
  • Nehmen Sie auch frühzeitig Kontakt mit Ihrer Bank auf und besprechen Sie offen die Situation.

Bereiten Sie das Bankgespräch vor und planen Sie die Fortsetzung des Unternehmens:

  1. Bereiten Sie parallel die Restrukturierung des Unternehmens vor.
  2. Dokumentieren Sie die Ergebnisse Ihrer Analysen und fassen die entwickelten Maßnahmen und Erfolge zusammen.
  3. Entwickeln Sie eine neue Strategie und eine Unternehmensplanung für die Sanierungsphase.
  4. Eine solche Fortführunsprognose sollte finanziell realistisch, pragmatisch und auch für Ihren Bankberater verständlich sein.

 

Die Beitragsreihe zu Controlling, Finanzierung, Gründung, Nachfolge und Sanierung wird fortgesetzt.

Uwe Twachtmann
Hamburg-Rahlstedt im September 2015

Unternehmens-Krise

Unternehmens-Krise frühzeitig erkennen